Der Leitfaden

Das „Quartier“ hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Es vermittelt zwischen der Komplexität der Stadt und dem privaten Haushalt, stiftet den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Nahraum und bietet die Ansatzpunkte für eine gemeinschaftliche Identifikation mit dem Ort. Auf der EU-Ebene fand das Quartier im Jahr 2020 eine besondere Berücksichtigung in der Neuen Leipzig-Charta[1].

Im Mittelpunkt der Neuen Leipzig-Charta steht das Ziel, die Gemeinwohlorientierung in den Städten zu stärken. Das Gemeinwohl kann sowohl durch verlässliche öffentliche Dienstleistungen der Daseinsvorsorge als auch durch die Vermeidung von Formen der Ungleichheit in den anstehenden sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und räumlichen Transformationen der Städte sichergestellt werden. Notwendig sind aber auch qualitativ hochwertige, für alle offene und sichere öffentliche Räume sowie gut ausgebaute Infrastrukturen, durch die Quartiere „lebendig“ werden.

Neben der Kommune als Ganzes und der Region, in die sie eingebettet ist, stellt das Stadt- und Wohnquartier in der Neuen Leipzig-Charta die zentrale räumliche Handlungsebene dar. Eine zielgerichtete Quartiersentwicklung soll das Engagement vor Ort fördern, damit der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Integration gelingen können. Es wird ein integrierter Ansatz für die gemeinwohlorientierte Quartiersentwicklung gefordert, in dem alle fachlich relevanten Belange und Interessen miteinander abgewogen sowie koordiniert werden können. Allerdings fehlen bisher geeignete formelle und informelle Instrumente zur Bewertung, wie lebenswert und lebendig ein Quartier ist.

Für die zukünftige Quartiersentwicklung fordert die Neue Leipzig Charta vor allem die Schaffung städtischer Räume, die sich durch Mischnutzung auszeichnen, sowie die Gestaltung und das Management von sicheren öffentlichen Räumen, die für alle Bürger*innen  frei zugänglich sind und ein gesundes Lebensumfeld bieten. Diese Anforderung hat die Sicherheitspartnerschaft im Städtebau in Niedersachsen (SiPA) – koordiniert vom Landespräventionsrat (LPR) – aufgegriffen. Mit Unterstützung eines interdisziplinären Arbeitskreises und des Büros SOZIAL • RAUM • MANAGEMENT wurde im Jahr 2021 der „Leitfaden zur Beratung und Bewertung von Quartieren unter kriminalpräventiven Aspekten“ erarbeitet und im Jahr 2022 im großstädtischen Eisenbahnquartier Hannover Leinhausen und im mittelstädtischen Quartier Wunstorf Barne in der Region Hannover erprobt.

[1] Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (Hrsg.) (2020): Neue Leipzig-Charta. Die transformative Kraft der Städte für das Gemeinwohl. Verabschiedet beim Informellen Ministertreffen Stadtentwicklung im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 30. November 2020, https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/eu-rp/gemeinsame-erklaerungen/neue-leipzig-charta-2020.pdf [Zugriff 13.11.2022].